Viele Menschen stellen ihre Kräuteröle nach dem Motto her: Kräuter ins Glas, Öl darüber, vier Wochen warten, fertig. Du auch? Dann ist dieser Blogbeitrag für dich!
Das funktioniert zwar irgendwie – aber oft längst nicht so gut, wie es könnte. Jetzt wird es Zeit, das Beste aus deinen Kräutern herauszuholen und deine Ölauszüge auf ein neues Level zu heben!
Wenn du verstehen möchtest, warum manche deiner Ölauszüge kräftig duften, intensiv gefärbt sind und voller Pflanzenkraft stecken, während andere eher enttäuschend ausfallen und sich nicht groß vom verwendeten Basisöl unterschieden, lohnt sich ein Blick auf die Chemie hinter dem Auszug.
Denn Öl verhält sich völlig anders als Wasser oder Alkohol. Und genau deshalb müssen Ölauszüge auch anders hergestellt werden als Tinkturen.
Warum Ölauszüge anders funktionieren als Tinkturen
Alkohol ist ein kleines, bewegliches Molekül. Es kann relativ leicht durch Pflanzengewebe wandern und Inhaltsstoffe aus den Zellen lösen.
Öle bestehen im Vergleich dazu aus aus riesengroßen Molekülen. Diese bewegen sich wesentlich träger und gelangen nicht bzw. nicht so leicht durch intakte Zellwände.
Stell dir vor, Alkohol ist ein Fahrradfahrer, der sich durch enge Gassen schlängeln kann. Öl dagegen ist eher ein Lieferwagen. Der kommt zwar auch ans Ziel, braucht aber deutlich mehr Platz und Zeit.
Genau deshalb reicht es bei vielen Pflanzen nicht aus, sie einfach mit Öl zu übergießen. Man muss schon dafür sorgen, dass das Öl die Inhaltsstoffe überhaupt annehmen kann.
Warum frisch getrocknete Pflanzen die beste Wahl sind
Für hochwertige Ölauszüge sind frisch getrocknete Pflanzen meist die beste Wahl.
Der Grund ist einfach:
Während des Trocknungsprozesses verlieren die Pflanzenzellen Wasser. Dadurch werden sie spröde und brechen leichter auf.
Wird die Pflanze anschließend zerdrückt, gemörsert oder gemahlen, entstehen viele kleine Bruchstellen. Das Öl kann deutlich leichter an die Inhaltsstoffe gelangen.
Frische Pflanzen besitzen dagegen noch elastische Zellstrukturen. Diese bleiben oft weitgehend intakt und erschweren dem Öl den Zugang zu den gewünschten Inhaltsstoffen.
Hinzu kommt ein weiterer Vorteil:
Getrocknete Pflanzen enthalten kaum Wasser. Dadurch sinkt das Risiko von Schimmelbildung und mikrobieller Belastung erheblich.
Deshalb arbeite ich für die meisten Ölauszüge bevorzugt mit frisch getrocknetem Pflanzenmaterial.
Die wichtigsten Methoden zur Herstellung von Ölauszügen
Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Verfahren entwickelt. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie stark die Pflanzenzellen aufgebrochen werden und wie schnell die Extraktion erfolgt.
Die klassische „Pour and Store“-Methode
Dies ist die traditionelle Methode. Du kennst sie bestimmt.
Die Kräuter werden frisch oder getrocknet in ein Glas gegeben und vollständig mit Öl bedeckt. Anschließend zieht der Ansatz mehrere Wochen.
Vorteile:
- Einfach
- Keine zusätzliche Ausrüstung notwendig
- Traditionelles Verfahren
Nachteile:
- Langsam
- geringere Extraktionsleistung
- Zellstrukturen bleiben häufig weitgehend intakt
Diese Methode ist nicht besonders effektiv. Ich nutze sie so gut wie gar nicht mehr, denn es gibt Methoden, die die Inhaltsstoffe der Pflanzen besser verfügbar machen und somit stärkere Ölauszüge produzieren.
Die Wärmemethode
Hier wird der Ölauszug über mehrere Stunden schonend erwärmt. (Erwärmt – nicht frittiert!) Die Wärme erhöht die Beweglichkeit der Ölmoleküle und beschleunigt die Extraktion. Dadurch gelangen Inhaltsstoffe deutlich schneller ins Öl. Meist ist das Öl nach 2-3 Stunden fertig.
Frischpflanzen profitieren von dieser Methode, denn sie bringen Feuchtigkeit ins Öl. Beim Erwärmen verdampft ein Teil des Wassers und das Öl hält anschließend länger. Außerdem wird die Gefahr von Bakterien im Öl verringert.
Vorteile:
- Schneller
- Gute Extraktionsleistung bei Frischpflanzen
- Bereits nach Stunden statt Wochen fertig
Nachteile:
- Nicht für alle Basisöle geeignet
- Erhöhtes Risiko der Oxidation
Deshalb ist die Wahl eines stabilen Basisöls besonders wichtig. Mehr dazu gleich.
Die Mixermethode
Bei dieser Methode werden Pflanzen und Öl gemeinsam zerkleinert. Dadurch werden die Pflanzenzellen mechanisch zerstört und die Oberfläche enorm vergrößert. Das Öl erhält unmittelbaren Zugang zu den Inhaltsstoffen. Außerdem wird das Öl durch das Mixen leicht erwärmt, was die Extraktionsleistung weiter steigert. Innerhalb von wenigen Tagen ist das Öl fertig.
Aber Achtung! Wenn du Frischpflanzen verwendest, entsteht ein Brei, der sich nicht filtrieren lässt. Nutze also frisch getrocknete Pflanzen für diese Methode.
Vorteile:
- Sehr effektive Zellzerstörung
- Schnelle Extraktion
- Hohe Ausbeute
Nachteile:
- Zusätzliche Geräte erforderlich
- Anschließendes Filtern aufwendig
- für Frischpflanzen ungeeignet
Die Kombination aus Mixer und Wärme
Dies ist eine meiner bevorzugten Methoden.
Hier werden die Vorteile beider Verfahren kombiniert:
- Mechanische Zellzerstörung durch den Mixer
- Beschleunigte Extraktion durch Wärme
Dadurch entstehen oft innerhalb von wenigen Stunden Ölauszüge, für die klassische Ansätze mehrere Wochen benötigen. Wenn du einen Thermomix oder eine ähnliche Küchenmaschine hast, die gleichzeitig mixen und heizen kann, ist das ideal.
Gib die getrockneten Pflanzenteile in deinen Mixer und häcksle sie grob. Gib anschließend das Öl auf die Pflanzen und erwärme es auf 50°C. In Abständen von 20-30 Minuten kannst du die Mischung auf höchster Stufe aufmixen und danach warm weiterrühren lassen. Nach 2-3 Stunden sollte das Öl den Duft und die Farbe der Kräuter angenommen haben und du kannst abfiltern.
Die Alkohol-Zwischenextraktion – der kleine Trick für große Wirkung
Manche Pflanzen enthalten größere Mengen harziger Inhaltsstoffe.
Dazu gehören beispielsweise:
- Ringelblume
- Arnika
- Propolis
- verschiedene Knospen und Harzpflanzen
Hier stößt reines Öl oft an seine Grenzen. Harze verhalten sich chemisch ähnlich träge wie Öle. Sie lösen sich nur langsam und unvollständig. Alkohol hilft beides zu verbinden und macht eine gute Extraktion überhaupt erst möglich. Der Alkohol dient dabei nicht als Hauptlösungsmittel, sondern als Türöffner.
Deshalb wird das getrocknete Pflanzenmaterial zunächst mit einer kleinen Menge Alkohol angefeuchtet. Anschließend erfolgt die eigentliche Ölextraktion am besten mit der kombinierten Mixer-Wärmemethode.
Gerade bei Ringelblume und Arnika wird häufig übersehen, dass viele der gewünschten Inhaltsstoffe ohne diesen Zwischenschritt nur begrenzt ins Öl gelangen. Wenn du hier ganze (frische) Blüten mit Öl übergießt, bekommst du nach 4 Wochen schütteln ein Öl, das fast so aussieht und riecht wie das Trägeröl, das du verwendet hast. Das ist Verschwendung an Öl und Kräutern.
Welches Öl eignet sich überhaupt?
Nicht jedes Speiseöl eignet sich gleichermaßen für Kräuterauszüge. Ein entscheidender Faktor ist die Fettsäurezusammensetzung.
Gesättigte und ungesättigte Fettsäuren
Fettsäuren können gesättigt oder ungesättigt sein.
Gesättigte Fettsäuren besitzen keine Doppelbindungen.
Ungesättigte Fettsäuren besitzen eine oder mehrere Doppelbindungen. Und genau diese Doppelbindungen sind die Schwachstellen. Sauerstoff kann dort angreifen und chemische Reaktionen auslösen.
Das Ergebnis: Das Öl oxidiert.
Im Alltag nennen wir diesen Prozess „Ranzigwerden“.
Ranzige Öle riechen nicht nur schlecht, sondern sind auch gesundheitsschädlich. Achte deshalb bei Ölauszügen auf Basisöle, die aus hauptsächlich gesättigten Fettsäuren besteht. Die Fettsäurezusammensetzung steht bei der Nährwerttabelle auf jeder Ölflasche.

Warum Wärme das Problem verstärkt
Wärme beschleunigt chemische Reaktionen.
Je wärmer ein Öl wird, desto schneller laufen Oxidationsprozesse ab.
Deshalb solltest du bei Wärmemethoden besonders auf stabile Öle mit gesättigten Fettsäuren achten.
Sehr empfindliche Öle mit vielen mehrfach ungesättigten Fettsäuren oxidieren daher unter Wärme deutlich schneller.
Gute Basisöle für Kräuterauszüge
Besonders bewährt haben sich:
- Olivenöl
- Mandelöl
- Jojobaöl (eigentlich ein Wachs)
- Kokosöl
- Butterschmalz (tierisch!)
Diese Öle besitzen eine vergleichsweise gute Oxidationsstabilität und eignen sich daher hervorragend für Kräuterauszüge.
Raffiniert oder kaltgepresst?
Auch hier gibt es große Unterschiede.
Kaltgepresste Öle
Bei der Kaltpressung werden die Samen oder Früchte mechanisch ausgepresst.
Die Temperaturen bleiben vergleichsweise niedrig.
Dadurch bleiben:
- natürliche Begleitstoffe
- sekundäre Pflanzenstoffe
- Vitamine
- charakteristische Duftstoffe
weitgehend erhalten.
Raffinierte Öle
Bei der Raffination werden die Fette meist zunächst mithilfe von Lösungsmitteln extrahiert. Das erhöht die Ausbeute für die Herstellenden.
Anschließend folgen mehrere Verarbeitungsschritte:
- Entschleimung
- Entsäuerung
- Bleichen
- Desodorierung
Dadurch entstehen sehr neutrale Öle mit langer Haltbarkeit. Das ist für die Ölauszüge eigentlich gut.
Allerdings gehen dabei viele natürliche Begleitstoffe verloren. Je nach Herstellungsverfahren können außerdem Rückstände der eingesetzten Extraktionsmittel verbleiben.
Deshalb arbeite ich persönlich bevorzugt mit hochwertigen kaltgepressten Ölen.
Fazit: Hochwertige Kräuteröle brauchen mehr als Geduld
Einfach vier Wochen warten ist nicht automatisch die beste Methode.
Wer versteht, wie Öl funktioniert, kann deutlich wirksamere Auszüge herstellen.
Entscheidend sind:
- frisch getrocknete Pflanzen
- aufgebrochene Zellstrukturen
- die passende Extraktionsmethode
- ein stabiles Basisöl
- ein Verständnis für die Chemie hinter dem Prozess
Dann entstehen Kräuteröle, die inhaltsstoffreich und potent deinem Körper wirklich helfen..
Du möchtest von mir lernen, wie wirklich wirkstoffreiche Kräuteröle entstehen?
In meinem Workshop „Heilsame Ölauszüge für Kulinarik und Kosmetik“ zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du hochwertige Kräuteröle herstellst ohne vier Wochen zu warten.
Du lernst:
- welches Basisöl für dein Vorhaben geeignet ist
- welche Pflanzeninhaltsstoffe überhaupt ins Öl übergehen
- warum Öl sich völlig anders verhält als Wasser oder Alkohol
- wie du die klassische Methode optimierst
- wie die Wärmemethode funktioniert
- wie du mit der Mixermethode deutlich bessere Ergebnisse erzielst
- wie die Alkohol-Zwischenextraktion genau funktioniert
- welche Zusatzöle die Hautpflege verbessern können
Gemeinsam stellen wir unter anderem her:
- Italienisches Würzöl
- Ringelblumenöl
- Lavendelöl
- Bonus: Johanniskraut-Rotöl
Nach dem Workshop weißt du nicht nur, wie Kräuteröle hergestellt werden sondern auch warum die einzelnen Schritte funktionieren (oder eben nicht).
Und das Beste: Statt vier Wochen zu warten, sind deine Ölauszüge oft schon nach spätestens zwei Tagen einsatzbereit.
Schau mir über die Schulter und stelle deine Öle direkt Schritt-für Schritt im Workshop mit mir her.
Wenn du deine Kräuterskills auf das nächste Level bringen möchtest, bist du herzlich willkommen.

Ich habe schon Interesse Öl selbst herzustellen. Habe damit bisher noch gar keine Erfahrungen.
Dann schnapp dir gern eine aromatische getrocknete Pflanze und ein Öl deiner Wahl und starte. So kannst du Erfahrungen sammeln. Schrittweise kannst du deine Erfahrungen mit den Informationen des Blogartikels verknüpfen. Viel Spaß dabei!