Wenn mich jemand fragen würde, was im ersten Halbjahr 2026 passiert ist, würde ich wahrscheinlich zuerst sagen: Eigentlich gar nicht so viel.
Keine riesigen Lebensumbrüche. Keine spektakulären Entscheidungen.
Und trotzdem fühlt sich heute vieles anders an als noch im Januar.
Vielleicht liegt genau darin die größte Veränderung.
Grenzen setzen ist manchmal der größte Fortschritt
In meiner Selbstständigkeit durfte ich dieses Jahr lernen, dass nicht jede Zusammenarbeit um jeden Preis erhalten werden muss.
Ich wurde dafür kritisiert, dass ich für meine Kräuterkurse einen höheren Unkostenbeitrag verlangen würde, als mir angeblich zusteht. Früher hätte mich so etwas wahrscheinlich deutlich mehr beschäftigt. Dieses Mal habe ich meine Grenze verteidigt.
Ich habe gemerkt, dass ich lieber auf Einnahmen verzichte, als mit Menschen zusammenzuarbeiten, die meine Arbeit nicht wertschätzen.
Das fühlt sich erstaunlich befreiend an.
Zuhören statt nur Vortragen
Auch meine Kräuterkurse haben sich verändert.
Mir ist aufgefallen, dass viele Teilnehmerinnen gar nicht nur wegen des Wissens kommen. Sie kommen, um gemeinsam mit ihrer besten Freundin Zeit zu verbringen, um zu ratschen, zu lachen und einen schönen Nachmittag miteinander zu verbringen.
Also habe ich meine Kurse angepasst.
Etwas weniger Theorie, dafür mehr gemeinsame Übungen, mehr Partnerarbeit und mehr Raum für Gespräche.
Das Ergebnis? Die Rückmeldungen sind unglaublich positiv. Die Frauen genießen diese Zeit miteinander – und ganz nebenbei wird auch meine Stimme geschont.
Manchmal besteht gute Wissensvermittlung eben auch darin, selbst etwas weniger zu reden.

Das Studium öffnet Türen
Auch im Studium gab es viele besondere Momente.
Ich durfte gleich drei Tagungen besuchen.
Beim Seminar für Volksmusikforschung unter dem Motto „Wem gehört die Volksmusik?“ wurde tagsüber diskutiert und abends gemeinsam musiziert und getanzt. Natürlich habe ich auch meine Flöte ausgepackt. Dass ich später sogar im Fernsehbeitrag des Bayerischen Fernsehens zu sehen war – tanzend mit meiner Professorin – war eine schöne Überraschung.

Ein ganz anderes Kaliber war die internationale Landschaftsarchäologie-Tagung LAC 26 in Bamberg.
Über 500 Menschen aus aller Welt kamen zusammen. Wochen vorher haben wir Studierenden Goodiebags gepackt und Namensschilder vorbereitet. Während der Tagung schleppten wir Kaffeetische, betreuten Vortragsräume und erklärten mit Händen und Füßen internationalen Gästen den Weg zu den Toiletten.
Es war anstrengend.
Es war chaotisch.
Und es war eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.







Die dritte Tagung führte mich nach Bayreuth. Diesmal stand die Archäologie Oberfrankens im Mittelpunkt. Besonders schön war, dass ich eine Freundin mitnehmen konnte. Gemeinsam Vorträge hören und anschließend essen gehen – manchmal entstehen die schönsten Erinnerungen genau zwischen den Programmpunkten.

Geschichte anfassen
Im Sommersemester arbeite ich gemeinsam mit anderen Studierenden im Depot des Historischen Vereins Bamberg.
Unbeschriftete Fibeln, Nadeln, Schuhsohlen, Keramikfragmente und Steine werden gewogen, gezählt, beschrieben, datiert und inventarisiert.
Es ist faszinierend, Objekte in den Händen zu halten, die in Museen oft nicht einmal ausgestellt werden.

Eine Brillenspirale aus der Bronzezeit in der eigenen Hand zu halten, ist schon ein besonderer Moment.
Auch das Seminar zum Thema Protest führte mich an einen spannenden Ort: ins Stadtarchiv Bamberg. Dort recherchierte ich zur Eingemeindung Gaustadts und tauchte tief in die kommunalpolitischen Interessen vergangener Jahrzehnte ein. Manchmal sind historische Quellen spannender als jeder Krimi.


Ich muss nicht alles alleine schaffen
Eine Erkenntnis hat mich in diesem Semester besonders überrascht.
Ich kann mich auf andere verlassen.
Gruppenarbeiten waren für mich lange gleichbedeutend damit, dass ich am Ende doch alles selbst erledige.
Dieses Semester war das anders.
Ich konnte Aufgaben abgeben, Hilfe annehmen und musste nicht ständig die Führung übernehmen.
Das klingt vielleicht unspektakulär.
Für mich war es eine ziemlich große Veränderung.
Unterwegs zwischen Museen, Mittelalter und Münster
Auch privat war ich unterwegs.
Ich habe meine Freundin Anne in Münster besucht. Wir waren in Museen, haben gemeinsam gegessen, Tee getrunken und vor allem Zeit miteinander verbracht. Da wir uns sonst meistens nur per Videotelefonie sehen, waren diese Tage etwas ganz Besonderes.


Vor Kurzem ging es dann zur Kaptorga Con – einem Festival für geschichtsbegeisterte Menschen.
Ich durfte historischen Bronzeguss erleben, Vorträge über Artus und Wikingergräber hören, gemeinsam singen und tanzen und sogar eine balearische Steinschleuder ausprobieren. Zum Glück mit Tennisbällen statt mit Steinen – erstaunlicherweise gar nicht so erfolglos.




Auch der Körper verändert sich
Zwischen Studium und Selbstständigkeit habe ich mir noch eine neue Gewohnheit angewöhnt.
Ich mache inzwischen regelmäßig Krafttraining.
Ich merke deutlich, wie gut mir das körperlich tut. Zusammen mit der Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren fühle ich mich fitter als noch zu Jahresbeginn.
Die Gelenkprobleme, die mir die Borreliose hinterlassen hat, begleiten mich zwar weiterhin. Aber ich habe das Gefühl, meinem Körper inzwischen deutlich mehr zurückzugeben, als ich ihm lange Zeit zugemutet habe.
Und jetzt?
Das Buchprojekt liegt momentan bewusst auf Eis.
Nicht, weil ich es aufgegeben hätte.
Sondern weil gerade andere Dinge wichtiger sind.
In den Semesterferien warten die Exkursion in die Bretagne, eine Grabungswoche in Iffelsdorf, eine Hausarbeit über Friesensalz, hoffentlich noch ein eigener Urlaub, die Konzeption einer neuen Krippenausstellung und irgendwann auch die Suche nach einem Bachelorarbeitsthema.
Langweilig wird mir also ganz sicher nicht.
Wenn ich dieses Halbjahr in einem Satz zusammenfassen müsste, dann vielleicht so:
Ich habe gelernt, dass Wachstum nicht immer laut ist.
Manchmal zeigt es sich darin, Grenzen zu setzen. Hilfe anzunehmen. Geschichte nicht nur zu lesen, sondern zu berühren. Und den Mut zu haben, den eigenen Weg weiterzugehen, auch wenn er nicht immer der bequemste ist.
Weitere Bilder aus dem 1. Halbjahr





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