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Johanniskraut-Rotöl herstellen, aber richtig! So gelingt dein Ölauszug garantiert

Fast jede Anleitung im Internet verspricht ein tiefrotes Johanniskrautöl. Doch viele sind am Ende enttäuscht: Das Öl bleibt hell, beginnt zu gären oder schimmelt sogar.

Dabei ist ein gelungenes Rotöl gar nicht schwierig, wenn du verstehst, was beim Auszug eigentlich passiert. In diesem Artikel zeige ich dir Schritt für Schritt meine Methode, die ich seit Jahren anwende. Außerdem erfährst du, warum ich einen kleinen Trick mit Alkohol nutze und welche Fehler du unbedingt vermeiden solltest.

Welches Johanniskraut eignet sich für Rotöl?

Nicht jedes gelb blühende Kraut ist echtes Johanniskraut.

Für Rotöl verwendest du ausschließlich das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum).

Typische Merkmale:

  • durchscheinende Öldrüsen in den Blättern
  • schwarze Drüsenpunkte an Blütenrand und Knospen
  • beim Zerreiben färben sich die Finger rötlich

Wer versehentlich eine andere Hypericum-Art sammelt, erhält oft nur ein grünes Öl.

Welche Pflanzenteile verwende ich für ein Johanniskraut-Öl?

Ich ernte das obere Drittel der Pflanze während der Vollblüte.

Dabei kommen in meinen Korb:

  • Blüten
  • Knospen
  • Blätter
  • grüne Samenkapseln

Alle diese Pflanzenteile enthalten verschiedene Inhaltsstoffe. So bekommst du einen Mix aus dem Besten, was das Johanniskraut zu bieten hat.

Meine Methode für ein intensives Johanniskraut-Rotöl

Schritt 1: Pflanzenteile leicht anquetschen

Ich gebe das frische Kraut in einen Mörser und zerdrücke es nur leicht.

Nicht zu Brei verarbeiten!

Das Ziel ist lediglich, die Pflanzenzellen zu öffnen. So gelangen die Inhaltsstoffe schneller ins Öl.

Schritt 2: Ein Schluck Alkohol

Jetzt kommt mein kleiner Trick.

Ich gebe einen kleinen Schluck (vielleicht 5-10mL) mindestens 70 %igen Alkohol in den Mörser.

Schon nach wenigen Sekunden färbt sich die Flüssigkeit intensiv rot. So kann ich die Inhaltsstoffe, die sich am Mörserboden gesammelt haben anlösen.

Diese alkoholische Lösung gieße ich über das angequetschte Johanniskraut.

Danach verschließe ich das Glas und schüttle es gründlich.

Warum?

Der Alkohol erfüllt gleich mehrere Aufgaben:

  • Er löst die Inhaltsstoffe an.
  • Die gesamte Pflanzenmasse wird gleichmäßig benetzt.
  • Viele Bakterien und Schimmelpilze werden in ihrem Wachstum gehemmt.
  • Die Extraktion beginnt sofort.

Der Alkohol ersetzt jedoch keine saubere Arbeitsweise.

Schritt 3: Öl auffüllen

Nun gieße ich das Öl auf.

Geeignet sind stabile Öle, wie beispielsweise:

  • Olivenöl
  • Sonnenblumenöl
  • Mandelöl

Alle Pflanzenteile sollten vollständig bedeckt sein. Dass du vorher gemörsert hast, hilft hier ungemein. Denn jetzt schwimmen die Pflanzenteile nicht mehr auf.

Schritt 4: Ziehen lassen

Das Schraubglas stelle ich ans Fenster.

Dort bekommt es täglich etwas (!) Sonne.

Warum nicht in die pralle Mittagssonne?

UV-Licht und Wärme fördern zwar die Extraktion, beschleunigen aber gleichzeitig die Oxidation des Öls. Auf deutsch: dein Öl wird sehr schnell ranzig, wenn es in der Sonne steht.

Ein heller Platz mit zeitweiser Sonneneinstrahlung ist deshalb für mich der beste Kompromiss.

Während der nächsten Wochen schüttle ich das Glas regelmäßig am Anfang einmal am Tag, später seltener. So kann ich auch die Farbe beobachten. Ist das Öl intensiv rot und die Pflanzenteile sind auf den Grund des Glases gesunken, kann abgeseiht werden.

Anschließend filtere ich das Öl sorgfältig durch ein feines Tuch. Ich presse nicht aus, um den Wassereintrag gering zu halten.

Nach dem Abseihen lasse ich das Öl noch ein paar Tage stehen, damit sich Trübstoffe und ggf. Wassertröpfchen senken können. Dann fülle ich das Öl in saubere Flaschen ab, der Bodensatz wird entsorgt.

So hält das Öl bei kühler und dunkler Lagerung ca. 1 Jahr, aber immer so lange, wie dein Öl MHD hat. Also Augen auf beim Ölekauf und immer schön das MHD checken!


Warum wird Johanniskrautöl rot?

Diese Frage wird erstaunlich häufig gestellt.

Lange Zeit wurde angenommen, dass vor allem Hypericin für die intensive Rotfärbung verantwortlich ist.

Ganz so einfach scheint es jedoch nicht zu sein.

Heute geht man davon aus, dass mehrere Farbstoffe und chemische Prozesse während des Auszugs beteiligt sein könnten. Welche Stoffe letztlich den charakteristischen Rotton verursachen, ist bislang nicht vollständig geklärt.

Fest steht jedoch:

Ein kräftig rotes Öl zeigt, dass während der Extraktion die typischen fettlöslichen Farbstoffe erfolgreich in das Öl übergegangen sind.

Warum wird mein Johanniskrautöl nicht rot?

Auf diese Frage gibt es mehrere Antworten:

Falsche Pflanzenart

Die häufigste Ursache.

Nur Hypericum perforatum liefert zuverlässig ein intensiv rotes Öl.

Zu wenig Inhaltsstoffe

Sehr junge Pflanzen oder bereits verblühte Exemplare enthalten oft deutlich weniger Farbstoffe.

Zu kurze Ziehzeit

Das Öl entwickelt seine Farbe erst nach einigen Tagen bis Wochen.

Geduld lohnt sich. Mörsern und Alkohol beschleunigen diesen Vorgang. Gibst du ganze Pflanzenteile ins Öl dauert es sehr lange, bis das Öl die Pflanzenzellen überwunden hat. Viele der möglichen Inhaltsstoffe gehen so auch gar nicht ins Öl über.

Warum schimmelt oder gärt mein Johanniskraut-Öl?

Frisches Johanniskraut enthält viel Wasser.

Gelangt zu viel freie Feuchtigkeit in den Ölauszug, können Mikroorganismen wachsen.

Anzeichen:

  • Bläschen
  • säuerlicher Geruch
  • Schimmelbelag
  • trübe Schlieren

Deshalb:

  • sauber arbeiten
  • alle Pflanzenteile vollständig mit Öl bedecken
  • den kleinen Alkohol-Schritt nutzen, um die mikrobielle Belastung zu reduzieren

Anwendung von Johanniskraut-Rotöl

Ist dein Rotöl fertig, kannst du es vielseitig einsetzen.

Traditionell wird es verwendet:

  • nach einem Sonnenbrand (erst nachdem die Haut ausreichend gekühlt wurde)
  • bei leichten Verbrennungen (ebenfalls erst nach dem Kühlen)
  • zur Pflege trockener und rissiger Haut
  • zur Massage verspannter Muskulatur
  • bei bestimmten nervenbedingten Beschwerden wie Nervenschmerzen

Wichtig: Johanniskraut kann die Lichtempfindlichkeit erhöhen, insbesondere bei hoch dosierter innerlicher Anwendung. Für das äußerlich angewendete Rotöl ist dieser Effekt deutlich geringer, dennoch empfiehlt es sich, frisch eingeölte Haut nicht unmittelbar intensiver Sonnenbestrahlung auszusetzen. Johanniskrautöl ist keine Vorbeugung für Sonnenbrand!

Fazit

Ein gutes Johanniskraut-Rotöl entsteht nicht durch Zufall. Entscheidend sind die richtige Pflanzenart, ein hygienisches Arbeiten und genügend Zeit für die Extraktion.

Mein kleiner Alkohol-Schritt beschleunigt den Prozess und reduziert gleichzeitig die mikrobielle Belastung des frischen Pflanzenmaterials. So gelingt ein intensiv rotes, aromatisches Öl, das seit Generationen einen festen Platz in der Hausapotheke hat.

Übrigens…

Wenn du mir beim Rotöl-Ansetzen über die Schulter schauen willst, dann empfehle ich dir meinen Kurs Heilsame Ölauszüge für Kulinarik und Kosmetik. Hier begleite ich dich Schritt für Schritt durch den Prozess und du lernst, worauf es ankommt, wenn du wirklich wirkstoffreiche Öle herstellen willst.


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